Dienstag, 20. Dezember 2011

Frohe Weihnachten

Wir sagen DANKE für eine wunderschöne Ausstellung, wünschen Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr...

... und planen bereits das nächste ARTQuadrat-Event!

Die Laudatio zur Ausstellung am 3./4.12.2011

ARTQuadrat: Die Ausstellung.

Künstler: Reinhard Stammer, Birgit Dierker, Nils Peters und Simone Franke

Ort: Brooktorkai 7, Speicherstadt Hamburg

3. und 4. Dezember 2011

Sehr geehrte anwesende Künstler Reinhard Stammer, Birgit Dierker, Nils Peters und Simone Franke sowie sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zur ersten ARTQuadrat Vernissage! Auf diesen historischen Pitchpine-Dielen, in diesem wunderbaren Raum am Brooktorkai ist es mit dieser Ausstellung gelungen, die schnurgerade Kunstmeile, die sich von der Hamburger Kunsthalle an der Alster bis zum Haus der Fotografie zieht, noch einen dynamischen Schwenk nach Süd-Westen zu verpassen - hinein in die Speicherstadt an der Elbe. Aktuell legt sich diese Ausstellung also quasi in die gewagte Kurve beginnend bei Max Liebermann, dem Wegbereiter der Moderne, über die Photos von „Eyes in Paris“ bis hier her in den 4ten Stock eines Hamburger Handelshauses.

Schön, dass Sie, liebe Kunstfreunde, nun heil an diesem frischen Dezembertag angekommen sind in diesem warmen Meer aus Farben, in welchem die 4 Ströme der Künstler münden und wo diese für einen Moment, ein Wochenende lang, zur Ruhe gekommen sind. Dieser Ort der Vernissage in der Speicherstadt ist kein gentrifiziertes Quartier wie das Hamburger Schanzenviertel oder St. Georg, sondern größtenteils ein noch intakter, internationaler Handelsplatz wie Sie an den Schildern dieses Speichers sehen konnten. Insofern stelle ich mit Genugtuug fest, dass Sie sämtlich wirklich Kunstfreunde sind und keine Yuppies, die sich vom Bardolino Classico vor der Alten Flora mal kurz lossagen und sich für 10 Minuten in eine angesagte Gallerie stellen.

Mit der gemeinsamen Präsentation ihrer Werke haben die hier anwesenden 4 Künstler einen besonderen Moment, einen extraorinär lebendigen Raum für uns Kunstgenießer geschaffen. Ganz im Gegensatz etwa - wie mein Freund Tomi Ungerer letzten Dienstag an seinem Geburtstag sagte-, dass er sich wie ein Phantom vorkommt, zwischen den Bildern in seinem Museum im Elsass. - Tomi ist dort ganz allein, ARTQuadrat ist face 2 face - im Quadrat! Wir erleben hier heute und morgen eine innovative Mischung von Emotionen: In diesem Raum kocht das Magische aus dem Leben eines Reinhard Stammers, erstaunt das Charisma der ruinösen Realität des Nils Peters, überraschen die elegante Patina und spontanen Brüche Birgit Dierkers, während Simone Franke uns mit Ihren wolllüstigen Farbwelten berauscht, die den Vernissage-Sekt fast obsolet machen. Wie Sie es bereits spüren, treiben die 4 Künstler uns und sich selbst nach vorn, leben im hier und jetzt und es gelingt ihnen damit die Quadratur ihrer Lebenskreise.

Jeder von uns anwesenden Kunstfreunden möchte wahrscheinlich gern Mäuschen gewesen sein, während die 4 Künstler sich näher kennenlernten, gegenseitig über ihre Werke sprachen, sich motivierten und entschlossen, eine Art Quadrat zu formen. Die Geschichte wird sich ungefähr wie folgt abgespielt haben: Für Reinhard war jede Form deduktiver Analyse quälend, alles platzt ja eh aus ihm spontan - nicht nur malerisch - heraus. Also hat er gesagt: macht einfach. Es wird schon gut. Birgit warnt vor zu viel Perfektion, die eventuell zu glatt gebügelt daher käme, ebenso wie die zu genaue Planung, - die Vorhersehung eines Bildes bei Birgit entfällt nämlich stets -, so musste sie aber doch eine Ausstellung mit-managen, um den Zufall der Begegnung der 4 zu einem Resultat zu entwickeln. Für Nils dürfte das um die Ecke unseres Vernissage-Ortes gelegene, viel gelobte, neue Spiegelgebäude mit der superstrengen, unterkühlten Fassade sicher nicht so angenehm wie der Ort hier sein: das Geschichten erzählende Treppenhaus, die schweren Holztüren unten am Eingang und die Düfte aus 1001 Nacht im Flur. Dieser Ort hier wird ihm sehr gefallen. Während der intensiven Kommunikation der 4 per facebook Chat geriet Simone vermutlich durch das photographische Zuflastern mit schlechten Portaits an den Rand ihrer Verzweiflung, seit dem jeder jeden ständig knipst und seine Photos online stellt. Allein von mir gibt es fast 500 schlechte Fotos in den sozialen Netzen, aber Simone hat mich trotzdem geadded, - aber ich hätte lieber nur ein einziges Bild von mir, welches zeigt, wie ich mich fühle, wer ich bin. Und genau dieses kann Simone, natürlich abstrakt mit Ihrer Malerei. Simone - beruhigend - hört einfühlsam zu, sie knipst nicht sondern versteht und interpretiert, was sie sieht.

Ich habe die letzten 3 Jahre in Indien gelebt. Meine Frau ist grad wieder dort bei Ihrer Familie und ich hätte nichts dagegen, auch wieder dorthin zu reisen. Bei den Gesprächen mit Reinhard, Birgit, Nils und Simone stellten wir fest, dass alle 4 das Land Indien schätzen, achten und bewundern. Ich nehme mir also vor, dass ich die 2 Damen und Herren mal spontan mitnehme auf eine Reise nach New Delhi:

Nils werde ich gleich mal in Old Delhi im Ultragewühl absetzten, ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, zu ahnen, dass er in dem engen Gassengewirr - wo viele Gänge nicht einmal 1 Meter Breite haben - ... dass er mal richtig verloren geht. Dort begegnet er ausgemergelten Lastenträgern mit Zentimeter tiefen Falten im Gesicht, Fenstern, die kein Licht durchlassen. Es ist ein Paradies für Nils, ohne deutsche Ordnung und rechte Winkel und alles ohne Schminke - da wird es also dann mal wieder neue Interpretationen des Lebens auf die Leinwände geben. Reinhard platziere ich in Süddelhi. Dort zieht 24 Stunden am Tag das Chaos einer 20-spurigen Strasse an ihm vorbei, so dass sich Reinhard nach einigen Stunden an den heiligen aber umso mehr maltretierten Yamuna River setzen wird. Dort wird er Gelegenheit haben, diesen ganzen Wahnsinn auf die Leinwand fließen zu lassen, besser nimmt er gleich mehrere Leinwände mit, ich bin gespannt wie die Steigerung des Delhi Chaos auf der Leinwand von Reinhard gefriert. Birgit sehe ich eher an den vielen Schnittstellen (Indien nennt sich selbst „a land in Transition“), wo riesige Slums unmittelbar an Glitzerpaläste grenzen, wo nackte Kleinkinder auf Verkehrsinseln ganz allein leben und wo sie mit letzter Kraft an die getönten Schreiben eines Maserati Quattroportes klopfen. Ich litt in Indien - wie die meisten - unter diesen alltäglichen Bildern, aber Birgit könnte das visualisieren und etwas Mut machen, das zu begreifen, wie man damit umgeht. Die Brüche, die Birgit oft in ihren Bildern darstellt, wirken schließlich nicht unversöhnlich, wie die, die sich in der Einkommensschere allerorten zeigen. Ob sich Simone allerdings in einer 20.000.000 Stadt wirklich wohl fühlen würde? Eher nicht. Sie in die nah gelegene Wüste Rajastans zum Meditieren schicken? Geht auch nicht. Vor mir hatte schon mal jemand das Problem, eine sehr sensible Frau in der Stadt Delhi zu halten. Und da er nicht ganz arm war, baute er im Jahre 1192 das über 70 Meter hohe Qutub Minar, einen Turm aus Stein. Wenn die Dame früh morgens oben auf dem Turm stand, konnte seine Frau als erste (!) die Sonne aufgehen sehen. Für diese Bevorzugung wäre Simone sicher bereit, in allen Rottönen dieser Welt ein Werk für den Pallast zu schaffen. -Squares sind oft Orte, wegen ihrer Form. Viele philosophieren über die Wirkung des Markusplatzes in Venedig mehr als über seine 4 Seiten im Einzelnen. Dabei sind doch die Seiten allein ebenso genussvoll: für mich eher das Café Florian, für andere der Dogenpalast usw. Schauen wir also mal spezieller und beginnen mit:

Reinhard Stammer: er ist genauso trittsicher im provinziellen Handewitt wie im internationalen Mumbai. Seine Kunst oszilliert zwischen Magie und Poesie. Seine Werke entstehen während seines Schaffensprozesses. Gefühle und Spontaneität sind bei Herrn Stammer wichtiger als Vernunft oder Reglementierung. Er versucht, unbewusste Empfindungen unter Vermeidung rationaler Kontrolle auf die Leinwand zu bringen. Im Einzelfall kann dies auch mal die Visualisierung des Kontrollverlustes der Mitarbeiter von Tepco in Fukushima sein. Reinhard verzichtet weitgehend auf festgelegte kompositorische Regeln. Er erfindet oft eigene Zeichen, schafft neue Strukturen durch die Anordnung der Farben. Die hier ausgestellten vielfältigen Werke sind im positiven Sinn Phantasiegebilde, entstanden aus Stimmungslagen.

Birgit Dierker: Das Malen ist für Birgit stets ein Ausdruck ihrer inneren Bilder, ein Umsetzen ihrer Gefühle und Gedanken. Sie fasziniert nicht die geplanten, sondern die wunderbaren Details wie Risse, Schleier und Brüche, die durch das Arbeiten mit dem Material entstehen. “Das Malen ist für mich eine Form der tätigen Meditation und Ausdruck meiner inneren Bilder, ein Umsetzen meiner Gefühle und Gedanken“ sagt Birgit. Sie verwendet Steinkreiden, Marmormehl, Pigmente; kombiniert das mit Airbrushfarben, Tuschen und Lasuren. Birgit mag ruhige, meditative Bilder, die ihre Spannung aus einer inneren Struktur aufbauen. Mich erinnert eines ihrer Werke an die San Andreas Verwerfung in Kalifornien von einem Hubschrauber aus gesehen. Ganz ruhig, kaum Bewegung, aber irgendwie auch saugefährlich. Wann ist die Spannung so groß, dass es zu einer Katastrophe kommt?

Nils Peters: Nils ist fasziniert von den vielfältigen Einflüssen, die Zeit und die Natur auf unser Leben nehmen und die Veränderungen, die sie bewirken. Sei es die Verwitterung von Gegenständen, das Altern von Menschen, der Verfall von Gebäuden oder der Untergang von Imperien und Staaten. Wir streben im Leben sehr oft nach Perfektion, vielleicht zu oft. Nils hat für sich entdeckt, dass die Akzeptanz von „Unperfektion“ oftmals einen Gewinn bedeuten kann. Mein Lieblingskinderbuch ist übrigens Elmar von David McKee, mit dem bunten Elefanten, den kein Tier mehr mit „guten Morgen Elmar“ begrüßte, nachdem er sich elefantengrau geschminkt hatte. Wir „kämpfen“ oftmals gegen den äußeren Einfluss wie z.B. Abnutzungs- und Verwitterungsspuren. Doch letztendlich werden wir diese Einflüsse niemals erfolgreich aufhalten können. Nils liebt verwitterte Gartenpforten, rostige Türen oder z.B. gestrandete Schiffe. Nils sieht in diesen Prozessen der Wandlung totale Einzigartigkeit und Schönheit. Es macht ihn glücklich, diese Zustände zu malen und uns, die wir eine Auswahl seiner Werke hier sehen.

Simone Franke: Bereits als Kind verfügte Sie über eine reich gefüllte und farbenfrohe Seelenlandschaft, die sie im Laufe ihres Lebens immer mehr auf die Leinwand spiegelte. Durch ihre Kunst drückt sie aus, was sie bewegt. Jedes ihrer Bilder hat einen tiefgängigen Hintergrund. Mit ihrer Kunst öffnet sie ein Tor, durch das der Betrachter in andere Welten sehen und sich von diesen berühren lassen kann. Dinge, die nicht wirklich fassbar sind, macht sie durch ihre Bilder sicht- und begreifbar. Die ungeheure Wucht der Wärme, der Emotion, die jeder erlebte, als er diesen Raum betrat, spricht für sich, in diesem Fall für Simone.

Das Publikum hier sei jetzt in besonderer Weise aufgefordert, diesen Betrachtungen nachzuspüren. Reinhard, Birgit, Nils und Simone haben mit dieser Ausstellung bewiesen, wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen 4 Kunstschaffenden sein kann, wenn diese, aus ganz unterschiedlichen Ansätzen kommend, sich über ihre sogenannten Grenzen hinaus zu einem Dialog im Quadrat entschliessen.

Ich wünsche eine erfolgreiche Ausstellung, die ich nun hiermit offiziell für eröffnet erkläre. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Dr. Jens H. Fischer-Chandail, Dozent Macromedia Hochschule Hamburg, Kulturmanagement Hamburg

Mittwoch, 12. Oktober 2011

ARTQuadrat - DIE Ausstellung

ARTQuadrat - DIE Ausstellung

Brooktorkai 7, 4. Etage
20457 Hamburg/Speicherstadt

03.12.2011 - 11.00 bis 20.00 Uhr
04.12.2011 - 11.00 bis 18.00 Uhr

Die Vernissage findet am 03.12.2011 um 11.00 Uhr statt.
Die Laudatio wird Dr. Jens H. Fischer-Chandail (Dozent für Kulturmanagement an der Macromedia Hochschule Hamburg) halten.

Die Ausstellung ist Teil des clubkinder Benefiz-Festivals.
http://www.clubkinder.de/

Don´t miss it!
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ARTQuadrat - THE exhibition

Brooktorkai 7, 4th floor
20457 Hamburg/Speicherstadt

03.12.2011 - 11.00 a.m. until 8.00 p.m.
04.12.2011 - 11.00 a.m. until 6.00 p.m.

The vernissage will take place on 3rd December 2011 at 11.00 a.m..

The laudatory speech will be given by Dr. Jens H. Fischer-Chandail (Lecturer in Cultural Management at the Macromedia University of Hamburg).

The exhibition is part of the clubkinder benefit festival.
http://www.clubkinder.de/

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